Liebe Fastengruppe,

nach der Dunkelheit der letzten Woche, schlägt der Fastenkalender für die kommende Woche einen neuen Ton an:

Meine Zuversicht ist bei Gott. Als biblischer Text wird dabei der 62. Psalm in den Mittelpunkt gerückt. Er beginnt mit den Worten: Meine Seele ist stille zu Gott, der mir hilft.

Das „Stille sein“ ist uns allen in der letzten Woche zu einer neuen Erfahrung geworden. Vieles, was uns ansonsten in Bewegung, im Gespräch, in Atem hält, ist jetzt spürbar weggefallen. Wir müssen gerade in besonderer Weise stille werden – nicht freiwillig, sondern weil es gerade nicht anders geht. Manche von uns halten das sicher gut aus, einige empfinden dieses merkwürde Still-gestellt-sein vielleicht sogar als eine positive Abwechslung zum gewohnt hektischen Alltag, andere leiden aber darunter, dass die Stille so übermächtig geworden ist: vor allem Menschen, die allein leben, Menschen, die sich gerade Sorgen um ihre Gesundheit oder ihre wirtschaftliche Existenz machen müssen und dringend die Nähe zu ihrer Familie oder Freunden bräuchten, Menschen, die im Krankenhaus oder im Altenheim sind und nun keinen Besuch mehr bekommen können. An vielen Stellen wird gerade mit guten Ideen versucht, dafür Ersatz zu schaffen: durch Telefonate, Briefe, Skype.

Der Beter des 62. Psalm kennt die Einsamkeit. Schlimmer noch: Er steht allein gegen Menschen, die neidisch auf das sind, was er ist und hat, die ihm Freundschaft vorheucheln und dabei doch nur Böses wollen: mit dem Munde segnen sie, aber mit dem Herzen fluchen sie. Er sieht seinen Verfolgern ins Gesicht. Er verdrängt seine Angst vor ihnen nicht und er macht sein Gefühl der Verlassenheit nicht kleiner als es ist. Das einzige, was ihm bleibt, ist die Hoffnung auf Gott, mein Fels, meine Hilfe, mein Schutz. Mitten in dem Gefühl, gerade alles zu verlieren, ist er dennoch sicher: ich werde nicht ins Bodenlose stürzen, denn ich stehe auf festem Fundament. Ich kann hoffen, denn Gott verlässt mich nicht – er bietet mir eine Zuflucht, einen Schutzraum, in meine Seele zur Ruhe kommen kann.

Aber wie kann es uns in Bedrängnis, die einem die Kehle zuschnürt und das Herz beklemmt, die den Schlaf und den Atem nimmt, gelingen, sich zu befreien, von dem, was uns nachstellt, uns belastet, uns bedrückt? Wie kommen wir aus der Lähmung wieder in Bewegung? Wie kann es uns gelingen, in Phasen der inneren oder äußeren Vereinsamung, der Angst und der Bedrohung, Gottes Gegenwart und Nähe zu spüren? Vielleicht können wir die Worte des Psalmisten nachsprechen, als wären es unsere Wort und unsere Gefühle – auch wenn wir ihnen (noch) nicht wirklich trauen. Vielleicht können wir uns seine Zuversicht für eine Weile ausleihen – und sie möglichst als „Dauerleihgabe“ behalten, auch wenn sich die Zeiten wieder normalisiert haben. Wir werden sie immer wieder brauchen im Auf und Ab unseres Lebens.

Aber sei nur stille zu Gott meine Seele;
Denn er ist meine Hoffnung.
Er ist mein Fels, meine Hilfe und mein Schutz,
dass ich nicht fallen werde.

Dr. Martina Padberg

Comments powered by CComment

Gemeindeleben in der Corona-Epidemie

Newsletter

Ich akzeptiere die Datenschutzerklärung